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Wenn Lionel Messi ein CLM Tool gehabt hätte …

Christian Jochheim

Oktober 06, 2020

In den zwanzig Jahren, in denen der argentinische Fußballstar Lionel Messi bereits für CF Barcelona gespielt hat, trug er maßgeblich dazu bei, dass der Verein zehn Landesmeister- und vier Champions League Titel gewinnen konnte. Doch nach einem schwierigen letzten Jahr mit mehreren öffentlich gewordenen Meinungsverschiedenheiten verkündete Messi zunächst im August 2020, dass er den Verein verlassen wolle.   

Nur eine gute Woche später änderte Messi dann seine Entscheidung, den Verein verlassen zu. Nach einer Vertragsverlängerung im Jahr 2017 sollte Messi bis Juni 2021 für Barcelona spielen. Sein im August geäußerter Wechselwunsch basierte auf der Annahme, dass Messi eine Klausel in seinem Vertrag nutzen könne, die ihm einseitig das Recht einräumt, den Verein – ohne Ablösesumme – zu verlassen, sofern er diese Wechselabsicht vor Ablauf der Saison kommuniziert .  

Da jedoch, bedingt durch die Corona-Pandemie, viele Spielpläne unterbrochen waren, konnte auch in Spanien die Saison nicht termingerecht beendet werden, sondern erst Monate nach dem in Messis Vertrag festgelegten Datum. Aufgrund dieser Terminverzögerungen forderte der Vereinspräsident von Barcelona sowie die spanische Liga, dass die in Messis Vertrag festgelegte Ablösesumme von 700 Millionen Euro bei einem Wechsel fällig sei. Um nun einen hässlichen Rechtsstreit mit dem Verein zu vermeiden, bei dem er seine gesamte Profikarriere verbracht hat, verkündete Messi ein Ende seiner Wechselabsichten, betonte jedoch gleichzeitig seine Enttäuschung über das Verhalten der Vereinsführung.  


Was hätte geschehen können 

Sofern Messi seine Vertragsklausel gezogen hätte, so hätten mehrere Dinge passieren können: Manchester City hätte den weltbesten Fußballer in seinen Reihen gehabt; der graue englische Winter (für Fußball-Interessierte) wäre durch seine genialen fußballerischen Qualitäten erhellt worden; und in Barcelona hätten sie ihren Kultspieler schmerzhaft vermisst. 
 
Nachdem Messi so viele Jahre ein loyaler Teil der Barcelona Fußballfamilie gewesen ist, wurde sein verbal geäußerter Wechselwunsch als nicht ausreichend angesehen. Viele Menschen das Verhalten des Vereins und der spanischen Fußballliga gegenüber einem dem Verein und seinen Fans emotional verbundenen Spieler, der sich stets vorbildlich für den Verein eingesetzt hat, als respektlos und gar gehässig. Am Ende des Tages geht es dann aber doch nur um das Business, egal ob im B2B Bereich der SaaS oder in der Welt des Profifußballs.  

Im Fall von Messi wurde zwischen den beteiligten Parteien ein nach unserer Kenntnis eindeutiger Vertrag aufgesetzt. Die fehlende, gemäß Vertrag notwendige schriftliche Bestätigung des Wechselwunsches beweist ein gewisses Maß an Naivität auf Seiten von Messi und seinem Team. Folglich bleibt nun Messi in Barcelona, Man City muss weiter um den sportlichen Anschluss an Liverpool kämpfen, und Southampton wird die Meisterschaft der englischen Premier League gewinnen (vielleicht auch nicht, aber es wäre ein netter Gedanke!). 
 
Was hat all dies zu tun mit Contract Lifecycle Management (CLM)? Hier sehen wir ein gutes Beispiel dafür, wie ein zwischen zwei Parteien abgeschlossener Vertrag die Beziehungen zwischen den Parteien festlegt. Hätten Messi oder sein Team Zugang zu einer CLM Lösung gehabt, dann wäre es ihnen leichter gefallen, die Details der vertraglichen Pflichten und die Kündigungsfristen auf geeignete Weise und vor allem rechtzeitig nachzuschlagen – und vielleicht wäre er dann heute bei Man City. 


Warum Verträge so wichtig sind 

Dieser Vorgang zeigt primär, dass Verträge über allem stehen; dies gilt sowohl im Business und auch im Privatleben. In Zweifelsfällen, wenn man keine Einigung findet oder wenn es auch nur geringe Zweifel gibt, dann lässt sich auf Basis des Vertrags immer eine Lösung für unklare Sachverhalte finden. Im Fall von Messi und Barcelona hätte diese Situation für den wohl erfolgreichsten europäischen Verein der vergangenen 20 Jahre durchaus noch viel schlimmer ausgehen können.  
 
Vermutlich hat Messi Hunderte von Verträgen am Laufen, und damit Hunderte von zu erfüllenden Verpflichtungen – dies kann ein durchaus anstrengendes Leben sein. Zwar bin ich mir sicher, dass sich ein ganzes Team für ihn darum kümmert (beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass er beim Frühstück seinen Espresso schlürft und dabei sein Conga Dashboard in Salesforce aktualisiert, um den Status seiner gesamten Verträge zu überprüfen), aber dennoch ist dies ein interessantes Beispiel dafür, wie eine geeignete Technologie (CLM) die grundlegendsten und wichtigsten kommerziellen Dokumente vereinfacht – nämlich die zwischen verschiedenen Parteien abgeschlossenen Verträge und Vereinbarungen.  

Der vollständige Einblick in sämtliche Details ermöglicht es Unternehmen, fundierte und clevere Entscheidungen zu treffen, sich ergebende Pflichten und Risiken zu erkennen und zukunftssicher zu planen. Der Wert einer CLM-Lösung besteht in der Kontrolle, die man dadurch über die wichtigsten Dokumente des Business, die Verträge, erhält. 
 
Die fußballerische Zukunft Europas hätte ganz anders aussehen könne, wenn Messi solch ein Dashboard benutzt hätte, doch dies ist halt nur einer der berühmten Konjunktive. Schade für die englische Premier League, gleichzeitig eine Erleichterung für das große Barcelona. Der Zweifel bleibt, on Messi sich jemals wieder nur auf verbale Aussagen verlassen wird. 

Christian Jochheim